Warum ein Kompromiss in der Diskussion um Plaza die Lösung ist

VonPhilip Schüller

Warum ein Kompromiss in der Diskussion um Plaza die Lösung ist

Das Plaza Center und die mögliche Ansiedlung von Decathlon erregt derzeit, vor allem in den Kommentarspalten, etliche Gemüter. Aber warum eigentlich? Denn die Beteiligten diskutieren seit knapp einem Monat ohne das eine wirkliche Einigung in Sicht war. Nun, nachdem ein Gutachten ergeben hat, dass der gestellte Bauantrag abzulehnen ist, gibt es endlich Zeit und Raum um vernünftig zu verhandeln. Hierbei würde eine sachliche und lösungsorientierte Argumentation helfen. Leider werden immer wieder verschiedenste Argumente in den Raum geworfen und teilweise zu Unrecht vermischt.

Ein kurzer Rückblick

Um auf die einzelnen Argumente einzugehen, bedarf es einer kurzen Einführung in die Thematik. Das Plaza-Center in Kiel Hassee ist bereits seit einiger Zeit höchst defizitär. Die Zeiten der Mega-Supermärkte sind vorbei. Das hat auch die Rewe-Gruppe erkannt, die zu 70% an dem Unternehmen Supermärkte Nord Vertriebs GmbH beteiligt ist. Im Rahmen der Umbauarbeiten des Sky XXL zu einem Rewe-Markt wird die Verkaufsfläche nun deutlich verkleinert. Die freien Flächen wollte man an Decathlon und einen Actionmarkt vermieten. Im Rahmen der Prüfung des Bauantrages hat die Verwaltung allerdings Bedenken angemeldet, ob sich diese Unternehmen überhaupt außerhalb der Innenstadt ansiedeln dürfen.

Das Einzelhandelskonzept

Die Kieler Ratsversammlung hat 2011 ein Einzelhandelskonzept beschlossen, um die Innenstadt zu schützen. Das Konzept sieht vor, dass außerhalb der Innenstadt keine “innenstadtrelevanten Waren” verkauft werden dürfen, bzw. nur zu einem bestimmten Prozentsatz. So soll verhindert werden, dass die Kaufkraft durch autofreundlichere Standorte abgeworben wird. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob Decathlon innenstadtrelevantes Sortiment anbietet oder nicht, bzw. wie viel. Diese Frage lies sich allerdings in mehreren Diskussionen nicht abschließend klären, da beide Seiten von ihren Argumenten überzeugt waren. Parallel dazu hat die Verwaltung ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Gutachter empfehlen der Stadt den Bauantrag abzulehnen, da das Bauvorhaben “den Festsetzungen des Bebauungsplanes widerspricht”. Durch dieses Gutachten gibt es nun keinen zeitlichen Druck mehr.

Die Innenstadt ist doch schon tot

In der öffentlichen Diskussionen werden mittlerweile keine Fakten mehr diskutiert, sondern irgendwelche Behauptungen als Argumente herangezogen. Vieles davon hat mit der eigentlichen Problematik nichts mehr zu tun. So taucht zum Beispiel immer wieder auf, dass die Innenstadt doch sowieso schon tot sei. Auch wenn viele Läden nicht vermietet sind, sollte man den Leerstand nicht noch durch solche Ansiedlungen außerhalb der Innenstadt befördern. Das wäre in etwa so, als würde man sagen: “Verkehrswende? Brauchen wir nicht, die Luft ist schon heute verschmutzt, also können wir sie auch noch stärker verschmutzen.” Die heutige Situation der Innenstadt ist auch auf solche Ansiedlungen zurückzuführen. Deshalb haben wir auch verschiedene Bauvorhaben angestoßen und werden auch weiterhin die Attraktivität der Innenstadt erhöhen.

Der Citti-Park ist viel schlimmer

Immer wieder wird auch der Citti-Park in die Diskussion eingebracht. Unbenommen ist, dass der Bau des Citti-Parks ebenfalls zu einer Schwächung der Innenstadt geführt hat. Das war allerdings schon vor der Erstellung des Einzelhandelskonzeptes, dass u. a. auch aus diesem Grund entwickelt wurde. Fehler die gemacht wurden, muss man doch nicht wiederholen. Wir müssen in Kiel nicht jedem Investor den roten Teppich ausrollen. Genau wegen solcher Vorhaben benötigen wir ein funktionierendes Einzelhandelskonzept, was transparent, klar und für alle nachvollziehbar ist. Das aktuelle Einzelhandelskonzept muss daher auch dringend überarbeitet werden. Wir müssen allerdings die heimischen Unternehmen dabei genügend berücksichtigen und dazu zählt auch die Coop.

Plaza-Standort ist ein wichtiger Nahversorger

Für den Stadtteil Hassee hat der Plaza-Standort eine enorme Bedeutung. Die meisten Kunden kommen aus den umliegenden Straßen. Viele davon auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Ein Verlust dieses Standortes hätte für viele Menschen, die eben nicht mehr so mobil und auf kurze Wege angewiesen sind, eine enorm negative Auswirkung. Darüber hinaus hat der Standort noch weitere wichtige Funktionen als Nahversorger. In ganz Deutschland schließen immer mehr Postfilialen. Das hat auch Kiel schon an mehreren Standorten schmerzlich erfahren müssen. Die Filiale am Winterbeker Weg ist somit ebenfalls für viele Kunden der Post(bank) eine wichtige Anlaufstelle. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass die Sicherung des Standortes insgesamt nicht nur von Decathlon alleine abhängen kann.

Ein Kompromiss ist die Lösung

Die Lösung des Problems liegt also in einem Kompromiss. Wir wollen einen Weg finden, bei dem die Rewe-Gruppe den Standort weiterhin betreiben kann, aber die Innenstadt nicht zusätzlich geschwächt wird. Das muss sich auch nicht, wie von einigen Journalisten und Fraktionen behauptet, ausschließen. Denn zum Glück gibt es nicht nur Unternehmen wie Decathlon, die größtenteils innenstadtrelevantes Sortiment anbieten. Immer wieder kommen Anfragen von Unternehmen, die größere Flächen in Kiel suchen. Dazu zählen auch einige Firmen, die ein Sortiment vorhalten, welches die Innenstadt nicht schwächen würde. Auch können die Beteiligten über Sortimentslisten nachdenken, die nur bestimmte Artikel an dem Standort erlauben. Auch so würde man den Standort Plaza stärken, ohne die Innenstadt unnötig zu schwächen.

Fazit

Es gibt im Leben nicht nur Schwarz und Weiß, dass sieht man an diesem Beispiel ganz deutlich. Manche haben das leider nicht verstanden und versuchen durch opportunistisches Verhalten Konflikte zu schaffen, die es gar nicht gibt. Ich bin optimistisch, dass wir uns nicht für die eine oder andere Seite entscheiden müssen, sondern in den Verhandlungen mit dem Kieler Oberbürgermeister und der Rewe-Gruppe eine geeignete Lösung finden, um den Plaza-Standort und die Nahversorgung in Hassee sicherzustellen und gleichermaßen der Innenstadt nicht noch mehr Kunden wegzunehmen.

Plaza Center Baustelle

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Philip Schüller administrator

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